Bild
Felix Kreidler ist Betriebsleiter der ARA Wasserschloss. Für ihn war es eine bereichernde Erfahrung, am Ausbau des 35 Mio. Franken-Projektes «ARA Wasserschloss» mitbeteiligt gewesen zu sein. Zukunftsweisend in der neuen ARA sind für ihn die neue Biofiltration sowie der Ausbau auf 80'000 Einwohnerwerte.
Welche Aufgabe erfüllt die ARA Was­serschloss?
Bei einer ARA geht es darum, den Ge­wässerschutz einzuhalten und den öko­logischen Richtlinien gerecht zu werden. Wir wollen das Wasser in der Region Wasserschloss sauber in den Kreislauf einleiten und halten dabei die gesetz­lichen Grenzwerte ein.

Welche Bedeutung hat die ARA Was­serschloss für die Region?
Bezüglich Gewässerschutz und Hygiene ist die Bedeutung sehr gross. Noch vor 50 Jahren konnten die Menschen in den umliegenden Gewässern - besonders in der Aare - nicht baden. Gewässerver­schmutzung und Fischsterben waren da­mals alltäglich. Glücklicherweise gehört dies der Vergangenheit an, und die Natur hat sich inzwischen erholt. Bei uns leben mittlerweile wieder besondere Vogelar­ten und Fische, und auch seltene Pflanzen kommen wieder vor. Die Aare ist zum Naherholungsgebiet geworden. Hier leistet die ARA Wasserschloss einen grossen und wichtigen Beitrag.

Sauberes Wasser in der Aare hat auch eine internationale Bedeutung ...
In der Tat. Nach einigen Kilometern mündet die Aare in den Rhein, der durch ganz Deutschland und die Niederlande fliesst. Dort wird das Trinkwasser aus dem Rheinwasser gewonnen. Wir leisten wichtige Vorarbeit, damit auch die nach­folgenden Länder sauberes Trinkwasser haben.

Gilt dies für die ganze Schweiz?
Wir im Aargau und in der ganzen Schweiz haben als Wasserscheide Europas eine ganz besondere Verantwortung. Alle un­sere Gewässer fliessen anschliessend durch unsere Anrainerländer. Und alle Anrainer benötigen diese Gewässer für ihr Trinkwasser. Nicht umsonst ist die Schweiz eines der führenden Länder im Gewässerschutz.

Weshalb heisst die ARA neu nicht mehr ARA Windisch, sondern ARA Wasserschloss?
Ursprünglich hätte es nur eine ARA Brugg-Windisch geben sollen. Man rea­lisierte jedoch schnell, dass das ganze Birrfeld angeschlossen werden muss. Inzwischen haben sich die Gemeinden Untersiggenthal und Turgi der ARA an­geschlossen, weshalb nicht einfach nur die Region Brugg-Birrfeld dazugehört, sondern ein grösseres Gebiet. Mit der Bezeichnung «Wasserschloss» werden wir der neuen geografischen Situation gerecht. Wir würden einen Rückfall in die Zeit er­leben, in der die Aare voller Schaum­und Schmutzberge war. Die gesamte Umwelt wäre ökologisch tot. Alles würde stinken, und wir könnten nicht mehr ba­den. Ein ökologischer und gesundheit­licher Kollaps wäre unausweichlich.

Wieso ist die ARA Wasserschloss eine der innovativsten ARA's der Schweiz?
Die von uns neu erbaute Biofiltration trifft man in der Schweiz erst selten an. Bisheriger Standard sind konventionelle Belebtschlammverfahren. Aufgrund des Wasserschlossdekrets konnte nur mini­mal Land eingezont werden, weshalb wir sehr kompakt bauen mussten. Deshalb bot sich die Biofiltration an. Innovativ daran ist, dass wir die Anlage online über den Ammoniumabbau steuern.

Welche ökologische Bedeutung hat die neue Biofiltration?

Mit der neuen Biofiltration halten wir die gesetzlichen Einleitwerte zu 100% ein. Zu­dem erfüllen wir weitere Richtwerte, was ökologisch bedeutend für die Aare ist.

Wie fühlen Sie sich, in einer so top­modernen Vorzeige-ARA Betriebs­leiter zu sein?

Lobenswert dabei ist, dass sich die ange­schlossenen Gemeinden über Sinn und Notwendigkeit im Klaren waren und ins­gesamt 35 Mio. Franken für den Ausbau sprachen. Alle sind sich bewusst, dass es sauberes Wasser nicht zum Nulltarif gibt. Nur mit modernen und leistungsfä­higen Kläranlagen können wir die Her­ausforderungen der Zukunft meistern.
Welches ist die grösste Stärke der neuen ARA Wasserschloss?
Wir haben jetzt eine gute Ausbaugrösse, womit wir einen stabilen Betrieb gewähr­leisten können. Zuvor hatten wir das Pro­blem, dass die ARA überlastet war und die Grenzwerte nicht mehr eingehalten wer­den konnten. Die grosse Stärke ist also die Grösse und die Möglichkeit zur Optimie­rung des Betriebes der gesamten Anlage.

Und Ihr Energiekonzept?

Früher hatten wir Blockheizkraftwerke, die mit dem Klärgas aus der Schlamm­faulung betrieben wurden. Den dazu benötigenden Strom produzierten wir teilweise selber. Leider ging uns dabei aber auch viel Abwärme verloren. Wir entschieden uns deshalb, dass wir das Klärgas auf Erdgasqualität aufbereiten und ins übergeordnete Transportnetz einspeisen.
Die Energie des Gases können wir voll­ständig für Heizzwecke nutzen. Das ist ein ökonomischer und ökologischer Mehrwert.

Wie lange dauerten die Bauarbeiten in der ARA. Und welche Kosten entstanden dabei?

Spatenstich war im Juni 2014. Der grösste Teil der Arbeiten ist Ende 2017 abge­schlossen. Die Gesamtkosten von 35 Mio. Franken teilten sich folgendermassen auf: 1. Etappe mit Biofiltration für 28 Mio. Franken; 2. Etappe mit Regenwasserbe­wirtschaftung, Hochwasserschutz und Werterhaltung für 7 Mio. Franken. Insge­samt sind wir im Budget.

Welche technischen Veränderungen erfuhr die ARA Wasserschloss in die­ser Zeit?

Das gesamte Steuerungskonzept wurde überarbeitet. Wir haben elektrische In­stallationen und viele Messsonden erneu­ert und zusätzliche installiert. Auch das gesamte Leitsystem wurde ausgewech­selt und zusätzlich erweitert. Dazu kam die neue Biofiltration. Einiges wurde auch in der mechanischen Abwasserreinigung verbessert (neuer Rechen, umgebauter Sandfang, angepasste Vorklärung).

Weshalb musste die ARA Wasser­schloss umfassend saniert und mo­dernisiert werden?
Ursprünglich war die ARA für 30'000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Wir hatten inzwischen aber eine Belastung von 45'000 Einwohnergleichwerten. Das be­deutet, dass wir die Anlage bis zu 50% über der Auslegung belastet haben.  Dieses Manko konnten wir durch eine effi­ziente Vorklärung kompensieren. Dennoch überschritten wir immer wieder die Grenz­werte. Wir sahen, dass das Bevölkerungs­wachstum zunimmt und zwei neue Ge­meinden dazukommen. Wir rechneten deshalb mit 60'000 Einwohnergleichwer­ten, was die ARA schlicht nicht mehr be­wältigen konnte. Wir hatten also keine andere Wahl.

Für wieviele Einwohnergleichwerte (EGW) ist die neue ARA ausgelegt?
Sie ist auf 80'000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Damit haben wir für die Zu­kunft noch Reserve.

Mit den Gemeinden Turgi und Unter­siggenthal reinigt die Anlage in Win­disch Abwasser von 60'000 Einwoh­nergleichwerten (EGW). Welche Ge­meinden erachten Sie zukünftig als weitere Mitgliedskandidaten?
Im Konzept Abwasserreinigung für den Kanton Aargau wird die Situation der kommunalen Kläranlagen analysiert. Es werden Vorschläge für weitere Zusam­menschlüsse aufgezeigt. Sicher ist vorge­sehen, die ARA Umiken, der die Gemein­de Schinznach-Bad und der Brugger Ortsteil Umiken angeschlossen sind, in 25 bis 30 Jahren aufzuheben. Da diese ARA jedoch unlängst saniert wurde, lässt der Zusam­menschluss eben verständlicherweise noch auf sich warten. Auch pharmazeutische Produkte ge­langen in die Gewässer und müssen gereinigt werden.

Gehören Sie eben­falls zu den ARA's, die eine Mikrover­unreinigungsanlage einbauen müs­sen?
Die 100 grössten ARAs in der Schweiz müssen mit einer Anlage ausgebaut wer­den, die Mikroverunreinigungen abbau­en. Die ARA Wasserschloss gehört nicht dazu, weil sie zu klein bezüglich ange­schlossenen Einwohnern ist (es müssten 80'000 sein - wir haben 60'000). Es besteht aber die Gefahr, dass das Grund­wasser unterhalb der ARA durch Mikro­verunreinigungen verschmutzt werden könnte. Es ist deshalb vorgesehen, dass wir zwischen 2030 und 2035 die Mikro­verunreinigungen in einer neuen Aus­baustufe behandeln werden.

Wie beurteilen Sie den heutigen Umgang mit Wasser in der Bevölke­rung?

Das Bewusstsein in der Bevölkerung ist eher klein. Sie lassen Wasser raus, spülen und duschen. Alles ist ganz selbstver­ständlich. Und weg ist weg. Bewusst wird es ihnen meist erst, wenn sie zu uns in die ARA kommen und an einer Führung teil­nehmen.

Was können wir diesbezüglich ver­bessern?
Eines unserer grössten Probleme sind die reissfesten Feuchttücher. Diese können sich in der Kanalisation ablagern und zu Hindernissen aufbauen. Im Regenfall werden die verklumpten und verfestigten Feuchttücher in die Pumpwerke abgeschwemmt. Die Klumpen verstopfen die Pumpen. Daraus können grössere Betriebsprobleme resultieren. Wenn die Pumpen nicht mehr funktionie­ren, gelangt ungereinigtes Abwasser über die Notentlastung in die Aare.

Wo steht die ARA in zehn Jahren?

Wir werden einen rundum optimierten Betrieb vorweisen. Zusammen mit allen Mitarbeitenden werden wir die ARA energetisch optimal führen, selbstver­ständlich unter Einhaltung des Gewässerschutzes. Diesbezüglich haben wir noch Potenzial. Nebst der wasserreini­gung ist die Regenwasserbewirtschaf­tung ein grosses Thema. Wir werden Kon­zepte erarbeitet und umgesetzt haben, welche die Bewirtschaftung der Regen­becken so steuern, dass verschmutztes Regenwasser gereinigt wird und nicht unbehandelt in die Aare gelangt.

Ihre Visionen für die ARA Wasser­schloss?
In zehn Jahren werden wir ein Verband sein. Die ARA und ihre Sonderbauten werden von einer Stelle aus geführt.

... und bezüglich des Umgangs der Bevölkerung mit Wasser?

Die Leute sollen sensibilisiert sein, was sie ins Abwasser schütten. Feste Stoffe und Feuchttücher sowie Chemie gehören nicht hinein. Hier muss das Bewusstsein noch entwickelt werden.

Felix Kreidler

Wohnort: Brugg
Ausbildung: Dipl. Bauingenieur FH
Seit wann in der IBB Energie AG? 2006
Seit wann Betriebsleiter der ARA Wasserschloss? 2012
Hobbys: Joggen, wandern, gut essen, lesen, Ski fahren